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Ruckstuhl holt Schweizer Rekord zurück, Giger und Joseph mit Hürden-Gold

U20-EM Grosseto

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Géraldine Ruckstuhl hat an der U20-EM in Grosseto (ITA) im Siebenkampf mit Schweizer Rekord Silber gewonnen. Yasmin Giger (400 m Hürden) und Jason Joseph (110 m Hürden) sind gar U20-Europameister.

Es war eine knappe Kiste. Géraldine Ruckstuhl und Alina Shukh (UKR) lieferten sich am zweiten Tag ein erbittertes Duell um die Siebenkampf-Goldmedaille. Lag die WINFORCE-Athletin nach dem ersten Tag noch in Führung, gelangen Shukh die besseren Leistungen im Weitsprung und im Speerwerfen. Im Speerwerfen verpasste es Ruckstuhl, entscheidend Punkte gut zu machen, ist dies doch ihre Paradedisziplin. Dass doch noch einmal Spannung aufkam, war dem 800-m-Lauf der Innerschweizerin zu verdanken. Sie lief wie entfesselt, griff 300 m vor dem Ziel an, überholte gar Shukh, die als bessere 800-m-Läuferin gilt. Ruckstuhl stürmte in 2:12,54 Minuten über die Ziellinie und verbesserte ihre persönliche Bestzeit um nicht weniger als vier Sekunden.

Für die Goldmedaille reichte es dennoch nicht ganz. Die besten Siebenkämpferinnen bewegten sich bei der diesjährigen U20-EM aber auch auf einem sehr hohen Niveau. Die Siegerin, Alina Shukh stellte mit 6381 Punkten eine U20-Jahresweltbestleistung auf. Knapp dahinter folgte Ruckstuhl mit 6357 und Schweizer Rekord. Damit wurde die nationale Bestmarke diesen Sommer bereits zum dritten Mal verbessert. Zunächst hatte Ruckstuhl in Götzis (AUT) im Mai 6291 Punkte erreicht. Im polnischen Bydgoszcz steigerte die WINFORCE-Athletin Caroline Agnou bei ihrem U23-EM-Gold diese auf 6330 Zähler. Nun legte Ruckstuhl nochmals 27 Zähler drauf und bewies, dass der Siebenkampf derzeit eine der belebtesten Disziplinen der Schweizer Leichtathletik ist.

"Ich wusste, dass ich 2:08 Minuten würde laufen müssen, um noch Gold gewinnen zu können, weil die Ukrainerin stark ist über 800 m. Weil das nicht realistisch war, nahm ich mir 2:14 vor", sagte sie. Diese Zeit brauchte sie, um den Schweizer Rekord zu verbessern. "Das gelang mir. Ich wusste, dass ich fit und bereit bin dafür, aber diese Zeit erstaunt mich schon ein wenig. Dass ich damit den Rekord doch noch knacken konnte, ist toll!"

Aus Ruckstuhls Sicht klappte vieles im Wettkampf gut. Allerdings nicht alles. "Im Speerwerfen war etwas ärgerlich, dass wir zu früh im Callroom waren und der Wettkampf dann doch nicht los ging. Trotzdem kam ich noch einigermassen auf Weite. Über 200 m hat es mich ein wenig rausgetrieben, dort habe ich Hundertstel liegen lassen. Auch das Kugelstossen war nicht super. Im Nachhinein bin ich mit meinem Siebenkampf aber sehr zufrieden."

Sensationeller Auftritt von Yasmin Giger: In 55,90 Sekunden schnappte sich die 17-jährige WINFORCE-Athletin im Final über 400 m Hürden dank eines unwiderstehlichen Schlussspurts die Goldmedaille. Sie verbessert ihren eigenen Schweizer U20-Rekord um 1,52 Sekunden und unterbietet die WM-Limite um zwei Zehntel!

Im 400-m-Hürden-Final zeigte die junge Thurgauerin den Lauf ihres Lebens und stürmte mit einer Topleistung ins internationale Rampenlicht. Giger teilte sich ihre Reserven clever ein und liess sich auch dann nicht irritieren, als sie im Augenwinkel die schnell gestartete Favoritin Agata Zupin (SLO) erblickte.

Eingangs Zielgerade lag die Schweizerin noch an dritter Stelle, doch dann geschah, was kaum einer im Stadion noch für möglich hielt. Giger setzte zu einem unwiderstehlichen Schlussspurt an, meisterte das letzte Hindernis mit Bravour, schob sich auf den letzten Metern an Zupin vorbei und nahm dieser noch 6 Hundertstel ab. Mit 55,90 Sekunden realisierte sie eine europäische U20-Jahresbestleistung und pulverisierte ihren eigenen nationalen U20-Rekord um nicht weniger als 1,52 Sekunden! Gleichzeitig blieb sie am letzten Tag der Qualifikationsperiode als dritte Schweizerin nach Lea Sprunger (COVA Nyon) und Petra Fontanive (LAC TV Unterstrass) unter der bei 56,10 Sekunden festgelegten Limite für die Weltmeisterschaften in London (GBR/4. bis 13. August).

Yasmin Giger kann sich über den dritten Medaillengewinn an einer internationalen Meisterschaft innert dreier Jahre freuen. 2015 gewann sie beim Olympischen Festival der europäischen Jugend in Tiflis (GEO) Silber über 400 m, 2016 holte sie gleichenorts an der U18-EM Silber über 400 m Hürden.

Im Vorfeld der Titelkämpfe durfte auch Jason Joseph als Topfavorit für die 110 m Hürden betrachtet werden. Der WINFORCE-Athlet hatte in diesem Jahr in Zofingen den Schweizer U20-Rekord auf 13,25 Sekunden verbessert und führte seither die europäische Bestenliste der Junioren an. In Vorlauf und Halbfinal war es dann aber der Schwede Max Hrelja der überzeugte.

Dass sich Joseph einige Körner aufgespart hatte, demonstrierte er im Final. Zwar war dieser kein Selbstläufer – ein Spanier kam deutlich schneller aus den Blöcken als der Baselbieter. Der Schweizer brauchte denn auch über die Hälfte des Rennens, bis er diesen wieder einholte und die Führung übernahm. Danach lief er den Sieg sicher nach Hause. Mit 13,41 Sekunden trennten ihn sieben Hundertstel vom zweitplatzierten Briten Robert Sakala.

Jason Joseph zeigte sich überglücklich über das errungene Edelmetall. "Es ist ein völlig neues Gefühl als Europameister, natürlich ganz anders als als Schweizer Meister." Nicht zufrieden war er hingegen mit seiner Leistung. "Mein Rennen war katastrophal", bilanzierte er. "Während des Laufs dachte ich schon, ich habe es vergeben. Ich konnte mich dann aber gut noch einmal motivieren und auf den letzten zehn Metern den Unterschied machen."

Quelle: Swiss Athletics