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Ein Sieg, vier Podestplätze und ein Abschied

Mountainbike-Weltcupfinal Vallnord

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Gut gedämpft ist halb gewonnen: Jolanda Neff hat bei ihrer persönlichen Premiere auf dem Stöckli Full-Suspension-Bike gleich triumphiert. Die Europameisterin feierte im Bikepark Vallnord, Andorra, auf dem Morion ihren achten Weltcupsieg. Gunn-Rita Dahle Flesjå und Ondrej Cink (beide Multivan Merida Biking Team) als Zweite und der junge Pablo Rodríguez (MMR Factory Racing Team) als Dritter komplettierten das WINFORCE-Podium.

Zum Abschluss der Weltcupsaison wartete in den Pyrenäen eine anspruchsvolle Strecke auf die Athleten. Niederschläge in der Nacht vor dem Rennen hatten die Wurzeln und Felsen rutschig und die Strecke damit nochmals kniffliger gemacht. Am Renntag selbst war das Wetter dann aber optimal, und so stand einem spektakulären Finale nichts im Wege. Gunn-Rita Dahle Flesjå vom Multivan Merida Biking Team wollte nach einer Saison mit einigen Enttäuschungen nochmals zeigen, dass sie auch mit 43 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehört. Tatsächlich kam die Norwegerin sehr gut vom Start weg und setzte sich schon bald zusammen mit der Kanadierin Catharine Pendrel ab. Als diese gegen Ende der ersten von sechs Runden in einer Abfahrt stürzte, fuhr Dahle Flesjå allein an der Spitze. Bis zum Ende der vierten Runde baute sie ihren Vorsprung auf 35 Sekunden aus, und für einen Moment schien der 30. Laufsieg im XCO-Weltcup in Reichweite.

Aber in der zweitletzten Runde konnte Jolanda Neff vom Stöckli Pro Team zur Norwegerin aufschliessen, und in der letzten Runde machte die Schweizerin ihren achten Weltcupsieg klar. Es war ihr erster Wettkampf-Einsatz auf dem Fully und es tat ihrem Rücken offensichtlich sehr gut. Jolanda Neff hatte sich entschieden erstmals das vollgefederte Bike zu nutzen, nachdem sie in Rio ihre Chancen auf Edelmetall durch Rückenbeschwerden verloren hatte. Das zahlte sich aus, auch wenn es für eine Rennfahrerin weitaus komplizierter ist, als sich so ein Rad-Tausch anhört.

"Für den Rücken war das super, aber mit einem Fully fährst du einen anderen Stil, eine andere Position. Muskulär war es ganz schön hart", erklärte Jolanda Neff. "Es ist mega cool, das letzte grosse Rennen der Saison mit einem Sieg zu beenden", jubelte Neff nach dem Erfolg, der zeigte, dass es in Brasilien an der Form nicht gelegen hat. Grosses Pech hatte ihre 20-jährige Stöckli-Pro-Teamkollegin Alessandra Keller. Ihr fuhr eine Kontrahentin ins Hinterrad, so dass das komplette Schaltwerk abriss. Tief enttäuscht musste Keller aufgeben.

Das kam für Mathias Flückiger nicht in Frage, obschon er sich "seit Rio nicht besonders gut" fühlt. "Ich habe keinen richtigen Infekt, aber ich habe irgendwas auf der Lunge", räumte Flückiger ein. So kämpfte er mit allem, was er hatte noch auf den 14. Rang, der ihm immerhin den fünften Gesamtrang und damit den verdienten Lohn für eine starke Saison sicherte. "Ich habe alles rausgeholt, was ging. Deshalb bin ich mit mir auch zufrieden", konstatierte Flückiger.

Gunn-Rita Dahle Flesjå beendete das letzte Rennen der Weltcupsaison auf Rang zwei, wodurch sie sich in der Gesamtwertung noch bis auf Rang 5 verbesserte. "Weil der Start auf dieser anspruchsvollen Strecke sehr wichtig ist, habe ich von Beginn an alles gegeben. Dafür musste ich auf den letzten beiden Runden etwas büssen. Mit dem zweiten Platz bin ich dennoch sehr zufrieden: Ich habe gezeigt, dass ich im Weltcup in die Top 5 gehöre", meinte die Norwegerin vom Multivan Merida Biking Team. "Auf diesem Niveau will ich auch nächste Saison alle Weltcuprennen fahren und nochmals auf die Gesamtwertung gehen. Dieses Resultat gibt mir zudem die nötige Motivation, um im Winter nochmals hart zu arbeiten und in Bestform auf die Jagd nach einem 30. Weltcupsieg zu gehen."

Auch die Männer vom Multivan Merida Biking Team traten mit grossen Ambitionen zum Weltcupfinale in Andorra an: Ondrej Cink mag die Strecke in den Pyrenäen und hat hier schon eine Bronzemedaille an den Weltmeisterschaften gewonnen. José Hermida bestritt in seiner ferneren Heimat sein letztes Weltcuprennen und beendete damit eine lange und illustre Karriere. Und Thomas Litscher wollte zum Abschluss der Saison nochmals seine wahre Klasse zeigen. Als der Startschuss fiel, stürmte Ondrej Cink resolut an die Spitze. Insbesondere in den steilen Anstiegen war der Tscheche der Stärkste, und so lag er schon nach der ersten Runde allein an der Spitze. Das blieb so bis zur Rennhälfte, als Julien Absalon und Nino Schurter zu ihm aufschlossen. Aber auch da gab Cink nicht klein bei, und weil Schurter von einem Platten ausgebremst wurde, konnte Ondrej Cink mit Rang zwei das beste Resultat der Saison feiern.

"Eigentlich wollte ich gewinnen, und darum habe ich auch vom Start weg alles gegeben. Bis zum letzten Viertel des Rennens habe ich mich auch sehr gut gefühlt, und erst in der fünften von sieben Runden bekundete ich etwas Mühe. Das hat mich den Sieg gekostet, aber ich bin auch mit Rang zwei sehr zufrieden", so Ondrej Cink. Dagegen erwischte Thomas Litscher einen für seine Verhältnisse schlechten Start. Danach drehte der Schweizer jedoch auf: "Ich habe mich nach dem Start Runde für Runde nach vorne gearbeitet und bis ins Ziel alles aus mir rausgeholt. Im Weltcup erwarte ich von mir selber Top-10-Platzierungen, und das hat heute mit dem 9. Platz endlich wieder geklappt. Das freut mich umso mehr, als das ganze Team stark gefahren ist." In der Teamwertung reichte es für das Multivan Merida Biking Team in Andorra zu Rang 2 – ein versöhnlicher Abschluss nach einer schwierigen Saison.

Für den emotionalen Höhepunkt des Rennwochenendes in Andorra sorgte die Mountainbike-Gemeinde, als José Hermida im letzten Weltcuprennen seiner langen Karriere zum zweitletzten Mal durch die Feedzone fuhr: Alle Teammechaniker grüssten den 38-jährigen Spanier mit erhobenen Laufrädern und erwiesen ihm und seiner langen, erfolgreichen Karriere damit die letzte Ehre. "Das war heute wie bei meinem allerersten Weltcuprennen in St. Wendel: Ich war aufgeregt, musste leiden und konnte es geniessen – was will ich mehr? Meine Form hat sich seit Juni gebessert, und ich fühle mich nun auch bei den Starts wieder besser. Damit kam auch die Freude zurück. Dass alle Mechaniker mich mit den Laufrädern gegrüsst haben, war ein sehr emotionaler Moment. Da musste ich mich schon zusammenreissen, um mich nochmals aufs Rennen zu konzentrieren." Auch Merida verbeugt sich vor dem langjährigen Teamfahrer José Hermida, der über die Jahre zu einem Aushängeschild des taiwanesischen Herstellers geworden ist.

Bild: Multivan Merida Biking Team / EGO-Promotion