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Mujinga Kambundji gewinnt sensationell WM-Bronze

Hallen-WM Birmingham

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In der Abend-Session des zweiten Tages an der Hallen-WM in Birmingham (GBR) sorgte Mujinga Kambundji (STB) für das Schweizer Glanzlicht: Die WINFORCE-Athletin gewann im 60-m-Final in 7,05 Sekunden sensationell Bronze und damit die erste Schweizer Sprint-Medaille auf Weltniveau.

Mujinga Kambundji hat in Birmingham ein weiteres Mal bewiesen, wie sehr ihr internationale Grossanlässe liegen. Auch diesmal gelang es ihr, im richtigen Moment in Topform zu kommen, so dass sie – nach einem souveränen Halbfinalsieg in 7,10 Sekunden – erstmals im Endlauf einer WM um die Medaillen kämpfen konnte. Die 25-jährige Bernerin kam im Final gut aus den Blöcken, zog unwiderstehlich durch und warf sich in vollem Lauf ins Ziel.

Danach begann das grosse Bangen: Reicht es oder reicht es nicht? Als auf der Anzeigetafel die Resultate erschienen, hatte Kambundjis Freude keine Grenzen mehr. Zusammen mit Siegerin Murielle Ahouré (6,97) und der Zweiten Marie-Josée Ta Lou (ebenfalls 7,05/beide von der Elfenbeinküste) begab sie sich mit einer Schweizerfahne stolz auf eine Ehrenrunde. Einen solchen Moment erlebt man als Athletin nicht oft. 7,05 Sekunden ist die zweitbeste Zeit ihrer Karriere, nur 2 Hundertstel über ihrem Schweizer Rekord.

Als schnellste Europäerin in diesem Feld setzte Mujinga Kambundji gegenüber der Konkurrenz ein Ausrufezeichen im Hinblick auf den Sommer, wenn die Europameisterschaften in Berlin (GER) der Höhepunkt sind. Momentan wird sie von Jacques Cordey und Adrian Rothenbühler betreut, Letzterer coachte sie auch an dieser WM. Die Athletin ist nun daran, eine definitive Trainerlösung zu finden.

Dieser Medaillengewinn hat für die Schweizer Leichtathletik eine historische Bedeutung. In der Vergangenheit konnten aus helvetischer Sicht erst sechs Medaillen bejubelt werden – noch nie eine im Sprint. 1987 wurde der Kugelstosser Werner Günthör Zweiter, 1991 wurde Günthör Weltmeister und Anita Protti gewann über 400 m Bronze, 1993 wurde die Hürdenläuferin Julie Baumann Weltmeisterin und Sandra Gasser holte Bronze über 1500 m, 2001 lief André Bucher über 800 m auf den Bronzeplatz.

Selina Büchel (KTV Bütschwil) musste im 800-m-Final mit Platz 6 vorlieb nehmen. Die 26-jährige Ostschweizerin verhielt sich in einem Weltklassefeld kämpferisch und wurde für ihre Bemühungen am Ende schlecht belohnt.

Wie schon im Halbfinal, als sie sich in der letzten Runde dank eines starken Endspurts noch von Position 4 auf Platz 2 nach vorne kämpfte, zeigte die WINFORCE-Athletin auch im Final eine engagierte Leistung. Sie hielt sich lange auf den Positionen 4 und 5 auf und liess sich auch von mehreren Remplern nicht aus der Fassung bringen. Nach einem Kraftakt in der dritten Runde fehlte Büchel in der Schlussrunde die Kraft, um noch einmal zuzusetzen. Letztlich erreichte sie das Ziel nach 2:03,01 Minuten als Sechste und Letzte.

„Im ersten Moment bin ich sehr enttäuscht. Mit einem 6. Platz kann ich nicht zufrieden sein“, sagte Büchel. „Wahrscheinlich haben mich die Positionskämpfe doch ein bisschen zu viel Kraft gekostet.“ Dennoch war sie sich auch bewusst, dass eine WM-Finalteilnahme für sie eine aussergewöhnliche Leistung ist. Dass sie einmal mehr an einem Indoor-Grossanlass in die Top 6 kam ist für die Athletin, die im KTV Bütschwil seit ihrer Jugend von Marlis und Urs Göldi trainiert und an internationalen Meisterschaften jeweils vom Swiss-Athletics-Verbandstrainer Louis Heyer betreut wird, ein wertvolles Erfolgserlebnis.

Gewonnen wurde der Final von Francine Nyionsaba aus Burundi, die mit 1:58,31 Minuten eine Jahres-Weltbestleistung realisierte. Hinter ihr liefen auch Ajee Wilson (USA, 1:58,99) und Shelayna Oksan-Clarke (GBR, 1:59,81) persönliche Bestzeiten. Um eine Medaille zu gewinnen hätte Büchel ihre persönliche Bestleistung (2:00,38) um mehr als eine halbe Sekunde unterbieten müssen.

Nach Platz 4 vor vier Jahren in Sopot (POL) ist dies das zweite Mal, dass sich Selina Büchel an einer Hallen-WM mitten in der Weltelite klassiert. Die Hallen-Europameisterin von 2015 und 2017 demonstrierte damit einmal mehr, dass ihr Indoor-Rennen liegen. Unter freiem Himmel kann sie einen 4. Platz an der EM 2016 in Amsterdam (NED) vorweisen, an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen verfehlte sie den Finaleinzug in den letzten drei Jahren jeweils nur knapp.

Die Fünfkämpferin Caroline Agnou (SATUS Biel-Stadt) verpasste es in der Abend-Session, ein Glanzlicht zu setzen. Die 21-jährige Bielerin liess sich von grossen Namen im 12-köpfigen Teilnehmerinnenfeld nicht irritieren und lieferte zunächst einen starken Wettkampf ab. Dank einer persönlichen Bestweite im Kugelstossen (14,92 m) schob sie sich bis zur Nachmittagspause auf den 8. Platz nach vorne. Am Abend erlitt sie mit 5,96 m im Weitsprung einen Rückschlag – in diesem Jahr ist sie schon 6,34 m gesprungen. Dadurch rückte der Schweizer Rekord von Géraldine Ruckstuhl (STV Altbüron) in die Ferne. Um deren 4455 Punkte zu egalisieren, hätte Agnou im abschliessenden 800-m-Lauf 2:16 Minuten laufen müssen. Sie schlug schliesslich nach 2:21,08 Minuten an, totalisierte 4397 Punkte (zweitbeste Leistung ihrer Karriere) und erreichte Platz 10.

In der Freiluftsaison sind das Mehrkampfmeeting in Götzis (AUT) Ende Mai und die EM in Berlin (GER) Anfang August die wichtigsten Fixpunkte in Agnous Kalender.

Jason Joseph (LC Therwil) ist seine WM-Premiere nicht wunschgemäss geglückt: Der 19-jährige Baselbieter wurde im 5. Vorlauf über 60 m Hürden in 7,89 Sekunden Sechster. Das reichte zwar nicht für die Halbfinals, wertvolle Erfahrungen kann das Nachwuchstalent aber trotzdem mitnehmen.

„Mich dieser Herausforderung stellen und Erfahrungen für die Zukunft sammeln“: So umschrieb Jason Joseph seine Zielsetzungen an seiner ersten WM. Nun kann er mit vielen interessanten Eindrücken abreisen. „Es ist spannend, einen solchen Grossanlass zu erleben. Hier erwartete niemand eine Topleistung von mir. Ich war viel weniger nervös als letztes Jahr an der U20-EM“, sagte Joseph. Mit 7,89 Sekunden blieb er 12 Hundertstel über seiner persönlichen Bestzeit, die er vor zwei Wochen an der Hallen-SM in Magglingen aufgestellt hatte. Damit lief er unter 37 Teilnehmern die 30-beste Zeit. Um über die Zeit weiterzukommen, hätte er 7,77 laufen müssen.

„Der Start war gut, unterwegs habe ich dann eine Hürde touchiert und in die letzte bin ich voll reingelaufen. Schade, dass ich ausgerechnet hier keine bessere Zeit gelaufen bin“, kommentierte Joseph sein Rennen.

Läuft alles nach Plan, hat der Youngster im Schweizer WM-Team noch viele internationale Grossanlässe vor sich. Im letzten Juli wurde er an der U20-EM in Grosseto (ITA) seiner Favoritenrolle gerecht und gewann Gold über 110 m Hürden. In diesem Jahr sind die Europameisterschaften in Berlin (GER/6. bis 12. August, Limite 13,85) sein grosses Ziel. Joseph wird ein grosses Potenzial attestiert, was sich auch dadurch zeigt, dass er im letzten Herbst von Swiss Athletics ins Förderprogramm World Class Potentials aufgenommen wurde.

Quelle: Swiss Athletics