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Mujinga Kambundji knackt die 11 Sekunden

Leichtathletik-SM Zofingen

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Eine Zeit unter elf Sekunden über 100 m hatte Mujinga Kambundji schon länger im Kopf, nun schaffte sie als erste Schweizerin die magische Marke. Die 26-jährige WINFORCE-Athletin lief an den nationalen Meisterschaften in Zofingen 10,95 Sekunden. Einen Tag nach ihr gelangen auch Alex Wilson über 200 m und dem erst 19-jährigen Jason Joseph über 110 m Hürden nationale Rekorde.

100 m Frauen
Es kann nur Eine geben. Mujinga Kambundji (STB) ist seit Jahren das Nonplusultra im Schweizer Frauen-Sprint. Erst kürzlich ist sie bei der Athletissima in Lausanne mit 11,03 Sekunden einen Schweizer Rekord über 100 m gelaufen. Doch Achtung: Sarah Atcho sendet im Halbfinal ein Ausrufzeichen in Richtung der hiesigen Branchenleaderin und läuft mit 11,20 eine persönliche Bestleistung, während Kambundji in 11,23 ins Ziel kommt.

Im Final stellt die nationale Rekordhalterin die Hierarchie wieder her. Halt – das war wohl untertrieben. Vielmehr werden alle Anwesenden Zeugen eines historischen Schweizer Leichtathletik-Moments. Die SM in Zofingen 2018 wird für immer derjenige Event sein, bei dem eine Bernerin als erste Schweizerin die 11-Sekunden-Marke knackte. Bei 1,1 m/s Rückenwind erwischt sie den Lauf ihres Lebens und spurtet entfesselt über die Ziellinie: 10,94 zeigt die Uhr zunächst an, später wird die Seite auf 10,95 Sekunden korrigiert. Unglaublich!

Ähnlich schnell wie sie sprintet, gibt Kambundji im anschliessenden Interview mit Platzspeaker Alex Hochuli über ihre Gefühlswelt Auskunft. „Ein ganz klein wenig habe ich angefangen, daran zu zweifeln, dass ich die Zeit wirklich drauf habe. Doch nun ist alles aufgegangen“, sprudelt es aus Kambundji. „Ich bin einfach nur glücklich, dass es nun geklappt hat.“ In der europäischen Saisonbestenliste nimmt Kambundji neu Platz zwei ein.

Einen tollen Tag erwischen auch die weiteren Medaillengewinnerinnen. Atcho mit ihrer Halbfinal-PB und der zweitschnellsten Zeit, die je von einer Schweizerin erzielt wurde, darf als verdienten Lohn die Silbermedaille mit nach Hause nehmen. Nicht minder zufrieden darf Salomé Kora (LC Brühl) mit sich sein. Die St. Gallerin stellte mit 11,25 Sekunden einen Hausrekord auf, mit dem sie das hohe Niveau im Schweizer Sprint und ihre Zugehörigkeit zur europäischen Spitzenklasse unterstreicht.

100 m Männer
Der 100-m-Final ist erwartungsgemäss einer der grossen Höhepunkte des ersten Tages. Der nationale Rekordhalter Alex Wilson (Old Boys Basel) muss kämpfen wie noch nie an einer SM, um sich den Tagessieg zu holen. Der Basler weiss, dass er vollen Einsatz geben muss, um zu reüssieren, realisierte Silvan Wicki (BTV Aarau) in den Halbfinals mit 10,22 Sekunden doch eine persönliche Bestzeit.

Im Final liegt Wilson lange zurück und muss sich am Ende mächtig strecken, um im Ziel die Nase vorne zu haben. In 10,14 Sekunden, nur 3 Hundertstel über seinem Schweizer Rekord, gewinnt er vor Wicki, der in grossartigen 10,17 zum zweiten Mal am gleichen Abend eine persönliche Bestzeit läuft. Es ist dies das vierte Mal, dass Wilson an einer SM zuoberst auf das 100-m-Podest steigt. Dritter wird Florian Clivaz (GG Bern), der in hervorragenden 10,36 Sekunden die EM-Limite um lediglich 1 Hundertstel verfehlt.

200 m Männer
Wenige Meter fehlten Silvan Wicki (BTV Aarau) am Freitag zur grossen Sensation und zum 100-m-Sieg über Schweizer Rekordhalter Alex Wilson (Old Boys Basel). Am Ende konnte Wilson den Aufsteiger des Jahres noch knapp abfangen und mit drei Hundertstel Vorsprung gewinnen (Siegerzeit 10,14 Sekunden). Klar, dass Wicki da über die doppelte Distanz auf Revanche pocht. Doch auf seiner Spezialstrecke lässt Wilson nichts anbrennen und markiert sein Revier mit einem weiteren Schweizer Rekord. Zwar kommt Wicki noch mit Wilson aus der Kurve, verliert auf der Zielgeraden aber den Anschluss und bleibt nach dem Zieleinlauf ausgepumpt am Boden liegen – zwei Hundertstel über seiner persönlichen Bestzeit von 20,60.

48 Hundertstel vor Wickis Zieldurchlauf ein aus dieser Saison gewohntes Bild: Wilson, der ob eines Schweizer 200-m-Rekords die Arme jubelnd in die Höhe reisst. Zurecht, denn mit 20,14 gewinnt ihm ein weiterer grosser Satz in Richtung magische 20-Sekunden-Marke. Es ist dies die momentan zweitbeste Zeit Europas. Der alte Schweizer Rekord von 20,25 hatte nur wenige Wochen, seit dem Résisprint in La-Chaux-de-Fonds Bestand.

400 m Frauen
Vier Läuferinnen liefern sich auf der Zielgerade einen packenden Finish. Zunächst liegt die Titelverteidigerin Vanessa Zimmermann (LC Zürich) in Front, doch auf den letzten Metern schiebt sich Fanette Humair (FSG Bassecourt) noch an die Spitze. Die Jurassierin siegt in 53,66 Sekunden vor ihrer Vereinskollegin Rachel Pellaud (53,97). Die 800-m-Spezialistin Selina Büchel (KTV Bütschwil) fängt Zimmermann noch ab und läuft in 54,14 auf den 3. Platz.

1500 m Männer
Der Jahresschnellste Hochstrasser konzentriert sich auf die kürzere Mittelstrecken-Distanz, so dass dem Langstreckler und Titelverteidiger Julien Wanders (Stade Genève) niemand das Wasser reichen kann. Der Achte der Halbmarathon-WM im März, der an der EM in Berlin einen Doppelstart über 5000 und 10 000 m plant, wählt die gleiche Taktik wie schon im Vorlauf: Während dem Tempodiktat von Marc Bill (STB), der das Feld in unter zwei Minuten über die ersten zwei Runden führt, wartet Wanders ab und drückt dann auf den letzten 400 m aufs Gaspedal. Dies bringt ihm überlegen die Goldmedaille und eine persönliche Bestzeit von 3:43,39 Minuten ein.

5000 m Männer
Jonas Raess (LC Regensdorf) ist neben dem Überflieger Julien Wanders (Stade Genève) der einzige Schweizer, der über 5000 m die Limite für die EM in Berlin erfüllt hat. Der Zürcher geht in Zofingen als Titelverteidiger ins Rennen und wird seiner Favoritenrolle vollauf gerecht. Angereist aus einem Trainingslager im Engadin, gibt sich Raess keine Blösse, setzt sich früh von seinen Schweizer Gegnern ab und verteidigt seinen vor einem Jahr in Zürich gewonnenen Titel mit Erfolg. Im Ziel wird für ihn eine Zeit von 14:20,12 Minuten gestoppt.

110 m Hürden Männer
Jason Joseph (LC Therwil) ist der Shooting-Star in dieser Disziplin. Der U20-Europameister hat in dieser Saison schon einen Schweizer U23-Rekord aufgestellt (13,46 Sekunden) und blieb nur fünf Hundertstel über dem Schweizer Rekord. Dies möchte er in Zofingen ändern. Zunächst steht aber der Vorlauf an, welchen er in 14,29 für ihn fast „joggend“ hinter sich bringt. Im Halbfinal lässt er die Bahn ein erstes Mal erzittern, in dem er genau neun Zehntelsekunden schneller läuft als zum Auftakt des Tages. Der Baselbieter zieht voll durch und verbessert den zehnjährigen Schweizer Rekord von Andreas Kundert um zwei Hundertstel auf 13,39.

Im gleichen Lauf überzeugt auch Brahian Peña (GG Bern), der sich zu einer Saisonbestzeit von 13,74 ziehen lässt und sich für die anstehende EM gut in Form zeigt. Der nächste Aufschrei geht durchs Stadion, als Joseph in 13,38 zum SM-Titel stürmt – allerdings kann diese Leistung nicht in die Rekordbücher aufgenommen werden, zu stark bläst mit 2,2 m/s der Rückenwind. Dahinter gewinnt Peña Silber in 13,68.

Logisch, zieht Jason Joseph nach diesem erfolgreichen Tag ein positives Fazit. „Ich habe auf den Schweizer Rekord gehofft und dachte im Halbfinal, ich probiere es einfach schon mal. Wunderbar, dass dies so aufgegangen ist! Nun darf ich an der EM mit den Besten mitlaufen – unglaublich.“

100 m Hürden Frauen
Nachdem die Saisonschnellste Selina von Jackowski (Old Boys Basel), die sich nach einer Verletzungspause zurückarbeitet, in den Halbfinals hängen geblieben ist, ist der Weg frei für die anderen Läuferinnen. Eveline Rebsamen (STB) kommt gut aus den Blöcken, doch dann setzt sich Kim Flattich (LC Zürich) an die Spitze und zieht voll durch. Die 20-Jährige läuft in 13,46 Sekunden mit persönlicher Bestzeit zu Gold und zu ihrem ersten SM-Titel. Hinter ihr schaffen Ramona Casanova-Baumgartner (LC Brühl/13,94) und die Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl (STV Altbüron/14,00) den Sprung auf das Podest.

400 m Hürden Männer
Dany Brand (LC Zürich) kommt als Schnellster aus den Blöcken und drückt vom ersten Meter aufs Gas. Diese Führung gibt er bis ins Ziel nicht mehr ab, auch wenn ihn Mattia Tajana (GAB Bellinzona) anfangs Schlussgerade etwas bedrängen kann. Brand setzt sich in 51,35 Sekunden vor Tajana (51,53) durch.

Speer Frauen
Schweizer Rekordhalterin Géraldine Ruckstuhl, die unweit von Zofingen in Altbüron aufgewachsen und im Turnverein des kleinen Luzerner Dorfes gross geworden ist, zeigt sich bestens erholt von ihrer im Mai erlittenen Oberschenkel-Verletzung. Zwar bleibt sie mit 51,85 m einige Meter hinter ihrem Schweizer Rekord (58,31) aus dem letzten Jahr. Für den Gewinn der SM-Goldmedaille reicht dies aber gleichwohl. Auch ihre zwei weiteren gültigen Versuche würden zum Titel reichen.

Bild: athletix.ch
Quelle: Swiss Athletics